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9b.de – Das Zukunfslabor

Kurz gesagt: Leben auf dem Mars ist bis heute nicht nachgewiesen, aber der Planet war einmal deutlich lebensfreundlicher als heute. Flusstäler, Deltas und alte Seebetten zeigen, dass dort Wasser floss. In einem solchen Flusstal hat der NASA-Rover Perseverance Gestein gefunden, das mögliche Spuren von Mikroben enthält. Für Menschen bleibt der Mars dagegen ein extrem feindlicher Ort: kaum Luftdruck, fast kein Sauerstoff, eisige Nächte und starke Strahlung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Heute kein Leben erwartet: Die NASA rechnet nicht damit, dass auf dem Mars heute Organismen leben. Gesucht werden Spuren aus einer wärmeren, feuchteren Vergangenheit.
  • Früher ein Wasserplanet: Flusstäler, Deltas und Seebetten belegen, dass auf dem Mars einst Wasser floss. Vor etwa 3,5 Milliarden Jahren gab es riesige Fluten.
  • Bester Kandidat: Die Gesteinsprobe „Sapphire Canyon“ aus dem Jezero-Krater enthält eine potenzielle Biosignatur. Ein Beweis für Leben ist sie noch nicht.
  • Dünne Luft: Der Luftdruck liegt bei rund einem Hundertstel des Werts auf der Erde, die Atmosphäre besteht zu 95,1 Prozent aus Kohlendioxid.
  • Kälte: Im Mittel herrschen etwa minus 59 Grad Celsius, nachts kann es bis auf minus 153 Grad abkühlen.
  • Strahlung: Eine Marsmission mit Hin- und Rückflug und 500 Tagen Aufenthalt brächte laut NASA eine Strahlendosis von etwa einem Sievert.
95,1 %
der Marsatmosphäre sind Kohlendioxid (NASA)
1 %
des irdischen Luftdrucks herrscht an der Marsoberfläche
-59 °C
beträgt die Durchschnittstemperatur auf dem Mars
38 %
der Erdschwerkraft wirken auf dem Mars

Wie lebensfeindlich ist der Mars heute?

Auf den ersten Blick wirkt der Mars wie ein naher Verwandter der Erde. Ein Marstag dauert 24,6 Stunden, also kaum länger als ein Tag bei uns. Die Oberfläche des Planeten entspricht laut NASA ungefähr der gesamten Landfläche der Erde, obwohl sein Radius mit rund 3.390 Kilometern nur etwa halb so groß ist. Damit enden die Gemeinsamkeiten aber auch schon.

Das größte Problem ist die Luft. Die Marsatmosphäre ist extrem dünn: Der mittlere Luftdruck an der Oberfläche liegt laut dem Planetendatenblatt der NASA bei 6,36 Millibar und damit bei rund einem Hundertstel des Werts auf der Erde. Sie besteht zu 95,1 Prozent aus Kohlendioxid, dazu kommen 2,59 Prozent Stickstoff und 1,94 Prozent Argon. Sauerstoff macht gerade einmal 0,16 Prozent aus.

Diese dünne Hülle hält kaum Wärme fest. Die Durchschnittstemperatur liegt bei etwa minus 59 Grad Celsius. Tagsüber werden es im besten Fall rund 20 Grad, nachts fällt die Temperatur dagegen auf bis zu minus 153 Grad. Wie groß der Unterschied auf kleinstem Raum ist, zeigt ein Beispiel der NASA: Am Äquator können zur Mittagszeit an den Füßen 24 Grad herrschen und auf Kopfhöhe gleichzeitig null Grad.

Hinzu kommt, dass der Mars heute kein globales Magnetfeld mehr besitzt. Stark magnetisierte Gesteine auf der Südhalbkugel zeigen zwar, dass es vor etwa vier Milliarden Jahren eines gab. Ohne diesen Schutzschild und ohne dichte Atmosphäre ist die Oberfläche der kosmischen Strahlung weitgehend ausgesetzt. Flüssiges Wasser kann an der Oberfläche nicht lange bestehen, weil der Luftdruck dafür zu gering ist.

Der Mars war einmal ein Wasserplanet

So lebensfeindlich der Mars heute ist, so anders sah er in seiner Frühzeit aus. Raumsonden und Rover haben ausgetrocknete Flusstäler, Deltas und alte Seebetten entdeckt. Die NASA beschreibt außerdem gewaltige Fluten, die vor etwa 3,5 Milliarden Jahren über die Oberfläche strömten. Der Planet war damals wärmer und hatte Wasser an der Oberfläche, also genau die Bedingungen, unter denen sich auf der Erde das Leben entwickelt hat.

Ganz verschwunden ist das Wasser nicht. In den Polregionen liegt heute Wassereis knapp unter der Oberfläche. Für die Forschung ist das in doppelter Hinsicht wichtig: Eis speichert Informationen über das frühere Klima, und es wäre für spätere bemannte Missionen eine mögliche Ressource.

Für die Suche nach Leben ist diese Vergangenheit entscheidend. Wenn auf dem Mars jemals Mikroben entstanden sind, dann am ehesten in dieser feuchten Frühphase. Ihre Spuren könnten in den Ablagerungen alter Flüsse und Seen bis heute im Gestein erhalten sein. Genau dort setzen die Rover der NASA an: Sie fahren gezielt in ausgetrocknete Flusstäler und Kraterseen, untersuchen das Gestein vor Ort und sammeln Proben.

Die Spur im Flusstal: Was Perseverance gefunden hat

Der NASA-Rover Perseverance erkundet den Jezero-Krater, in dem einst Wasser floss. Im Juli 2024 stieß er im Neretva Vallis, einem rund 400 Meter breiten ehemaligen Flusstal, auf einen auffälligen Gesteinsbrocken. Das Team taufte ihn „Cheyava Falls“. Am 21. Juli 2024 bohrte der Rover daraus die Probe „Sapphire Canyon“. Laut NASA war diese Gegend vor etwa 3,7 Milliarden Jahren eine wasserreiche Umgebung.

Im September 2025 veröffentlichte ein Forschungsteam um den Geologen Joel Hurowitz von der Stony Brook University die Auswertung im Fachjournal Nature. Das Gestein enthält organisches Material und zwei Minerale, die Fachleute aufhorchen ließen: Vivianit, ein wasserhaltiges Eisenphosphat, das auf der Erde häufig in Sedimenten, Torfmooren und zersetztem organischem Material vorkommt, und Greigit, ein Eisensulfid, das bestimmte Mikroben auf der Erde erzeugen können. Die Minerale sind vermutlich durch chemische Reaktionen zwischen Sediment und organischem Material entstanden, die auch Mikroben zur Energiegewinnung nutzen könnten.

Was „potenzielle Biosignatur“ bedeutet: Die NASA versteht darunter eine Substanz oder Struktur, die biologischen Ursprung haben könnte. Ob tatsächlich Leben dahintersteckt, lässt sich erst mit weiteren Daten oder Untersuchungen sagen. Ein Nachweis von Leben ist der Fund also ausdrücklich nicht.

Die Forscher sind deshalb vorsichtig. Dieselben Minerale können auch ohne Leben entstehen, etwa bei hohen Temperaturen, unter sauren Bedingungen oder durch die Bindung an organische Verbindungen. Hinweise auf hohe Temperaturen oder saure Verhältnisse zeigen die Gesteine laut Studie zwar nicht. Ganz ausschließen lassen sich nicht-biologische Erklärungen aber nicht. Die NASA-Projektwissenschaftlerin Katie Stack Morgan betont, dass Behauptungen über außerirdisches Leben außergewöhnliche Belege erfordern. Für eine abschließende Antwort müsste die Probe auf der Erde in Laboren untersucht werden.

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Können Menschen auf dem Mars leben?

Ohne Technik nicht eine Minute. Wer ohne Schutzanzug auf der Marsoberfläche stünde, hätte gleich mehrere Probleme auf einmal: Die Luft enthält praktisch keinen Sauerstoff, und der Druck ist so niedrig, dass der menschliche Körper ihn nicht aushält. Jeder Aufenthalt im Freien wäre deshalb nur in einem Druckanzug möglich, jedes Wohnmodul müsste luftdicht sein und seine eigene Atemluft herstellen.

Die Kälte ist das nächste Hindernis. Bei einer Durchschnittstemperatur von minus 59 Grad und Nächten mit bis zu minus 153 Grad braucht jede Unterkunft eine zuverlässige Heizung und gute Isolierung. Die Sonne liefert dafür weniger Energie als bei uns, denn der Mars ist im Mittel rund 228 Millionen Kilometer von ihr entfernt, das Anderthalbfache des Abstands der Erde.

Am schwersten wiegt die Strahlung. Das Messgerät RAD an Bord des Rovers Curiosity hat sie sowohl auf dem Flug zum Mars als auch an der Oberfläche gemessen. Für eine Referenzmission der NASA mit 180 Tagen Hinflug, 500 Tagen auf dem Mars und 180 Tagen Rückflug ergibt sich daraus eine Strahlenbelastung von etwa einem Sievert. Hinflug, Aufenthalt und Rückflug tragen dabei ungefähr gleich viel bei. Wer dauerhaft auf dem Mars leben wollte, müsste seine Unterkünfte deshalb gut abschirmen, zum Beispiel unter einer Schicht aus Marsboden.

Auch die geringere Schwerkraft ist ein offener Punkt. Auf dem Mars wiegt alles nur etwa 38 Prozent dessen, was es auf der Erde wiegt. Ein Mensch mit 80 Kilogramm fühlte sich dort an wie rund 30 Kilogramm. Was das über Jahre mit Muskeln, Knochen und Kreislauf macht, ist bislang nicht erforscht, denn so lange hat noch kein Mensch in verringerter Schwerkraft gelebt.

Was eine Siedlung auf dem Mars lösen müsste

Aus diesen Bedingungen ergibt sich ziemlich genau, was eine dauerhafte Marsstation leisten müsste. Sie bräuchte geschlossene, beheizte Druckräume, eine eigene Herstellung von Atemluft, Wasser aus dem Eis im Boden, eine Energieversorgung, die auch lange Staubstürme übersteht, und einen guten Schutz vor Strahlung. Hinzu kommt die Versorgung mit Nahrung, die entweder von der Erde kommt oder in Gewächshäusern unter Kunstlicht wachsen müsste.

Eine besondere Herausforderung ist die Entfernung. Je nach Stellung der Planeten liegen zwischen Erde und Mars zwischen 54,6 und 401,4 Millionen Kilometer. Selbst das Licht braucht von der Sonne bis zum Mars rund 13 Minuten. Funksignale zwischen Erde und Mars sind ebenfalls mehrere Minuten unterwegs, schnelle Hilfe von zu Hause gäbe es also nicht. Eine Siedlung müsste Reparaturen, medizinische Notfälle und Ersatzteile weitgehend selbst bewältigen.

Ein Jahr auf dem Mars dauert 687 Erdtage, also fast doppelt so lange wie bei uns. Das gibt auch den Rhythmus für Reisen vor: Günstige Startfenster zwischen den beiden Planeten öffnen sich nur in größeren Abständen. Wer auf dem Mars lebt, wäre deshalb lange Zeit auf sich gestellt, ähnlich wie frühere Forschungsexpeditionen in die Antarktis, nur sehr viel weiter weg.

Gibt es Leben auf dem Mars?

Nachgewiesen ist es bis heute nicht. Die NASA erwartet auch nicht, dass auf der heutigen Marsoberfläche Organismen leben, denn sie ist kalt, trocken und starker Strahlung ausgesetzt. Die Forschung sucht deshalb vor allem nach Spuren von Mikroben aus einer Zeit, als der Mars wärmer war und Wasser an seiner Oberfläche hatte.

Gab es früher Leben auf dem Mars?

Möglich ist es, bewiesen ist es nicht. Vor Milliarden Jahren gab es auf dem Mars Flüsse, Seen und Deltas. In einem solchen Flusstal fand Perseverance die Gesteinsprobe Sapphire Canyon mit einer potenziellen Biosignatur. Ob Mikroben die Spuren hinterlassen haben oder rein chemische Prozesse, können erst genauere Laboruntersuchungen auf der Erde klären.

Warum ist Leben auf dem Mars heute kaum möglich?

Weil der Mars kein globales Magnetfeld mehr hat und seine Atmosphäre sehr dünn ist. Der Luftdruck liegt bei rund einem Hundertstel des irdischen Werts, deshalb kann flüssiges Wasser an der Oberfläche nicht lange bestehen. Dazu kommen eine Durchschnittstemperatur von etwa minus 59 Grad und kosmische Strahlung, vor der weder Magnetfeld noch dichte Luft schützen.

Wie würde Leben auf dem Mars aussehen?

Falls es dort Leben gab oder gibt, dann sehr wahrscheinlich in Form winziger Mikroben, nicht als Pflanzen oder Tiere. Die Forschung sucht deshalb nicht nach Lebewesen, sondern nach chemischen Spuren im Gestein, etwa organischem Material und Mineralen, die auf der Erde typischerweise durch mikrobielle Stoffwechselprozesse entstehen.

Fazit

Der Mars ist heute eine kalte, trockene Wüste mit dünner Luft und starker Strahlung. Leben, wie wir es kennen, hätte es dort an der Oberfläche schwer, und auch Menschen könnten nur mit aufwendiger Technik dort überleben. Doch der Planet war nicht immer so. Vor Milliarden Jahren floss Wasser durch Täler und füllte Seen, und genau in diesen Ablagerungen findet die Forschung heute die vielversprechendsten Hinweise. Die Probe Sapphire Canyon ist der bislang beste Kandidat für Spuren uralten Lebens, aber noch kein Beweis. Die Frage, ob wir im Sonnensystem allein sind, bleibt damit offen, und der Mars ist der Ort, an dem wir ihrer Antwort am nächsten kommen könnten.

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Häufige Fragen

Kann man auf dem Mars atmen?

Nein. Die Marsatmosphäre besteht zu 95,1 Prozent aus Kohlendioxid und enthält nur 0,16 Prozent Sauerstoff. Außerdem liegt der Luftdruck bei rund einem Hundertstel des Werts auf der Erde. Menschen bräuchten auf dem Mars deshalb immer einen Druckanzug oder ein luftdichtes Wohnmodul.

Wie kalt ist es auf dem Mars?

Im Durchschnitt etwa minus 59 Grad Celsius. Tagsüber werden es höchstens rund 20 Grad, nachts sinkt die Temperatur auf bis zu minus 153 Grad. Die dünne Atmosphäre lässt die Wärme der Sonne schnell entweichen.

Wie weit ist der Mars von der Erde entfernt?

Das hängt von der Stellung der beiden Planeten ab. Am nächsten kommen sie sich mit rund 54,6 Millionen Kilometern, am weitesten liegen sie mit etwa 401,4 Millionen Kilometern auseinander. Deshalb sind Flüge zum Mars nur in bestimmten Startfenstern sinnvoll.

Was hat der Rover Perseverance auf dem Mars gefunden?

Im Jezero-Krater bohrte Perseverance im Juli 2024 die Gesteinsprobe Sapphire Canyon aus einem alten Flusstal. Sie enthält organisches Material sowie die Minerale Vivianit und Greigit. Die NASA wertet das als potenzielle Biosignatur, also als möglichen, aber nicht bewiesenen Hinweis auf früheres mikrobielles Leben.

D. Volbracht, Gründer von 9b.de
Autor

D. Volbracht

Gründer & Chefredakteur 9b.de

D. Volbracht ist Gründer des Zukunftsmagazins 9b.de. Er wertet Daten und Statistiken aus und entwickelt mithilfe einer Vielzahl von KI-Werkzeugen interaktive Rechner und Tools zu Zukunftsthemen wie Finanzen, Energie, KI und persönlicher Entwicklung.

Quellen
  1. NASA Science – Mars: Factsscience.nasa.gov/mars/facts/
  2. NASA NSSDCA – Mars Fact Sheet und Planetary Fact Sheet (Verhältnis zur Erde)nssdc.gsfc.nasa.gov/planetary/factsheet/marsfact.html
  3. NASA – NASA Says Mars Rover Discovered Potential Biosignature Last Year (10.09.2025), Studie: Hurowitz et al., Naturenasa.gov/news-release/nasa-says-mars-rover-discovered-potential-biosignature-last-year/
  4. NASA Science – The Mars Report: September 2025, Special Editionscience.nasa.gov/mars/the-mars-report/2025-september-special-edition/
  5. NASA JPL – Radiation Exposure Comparisons with Mars Trip Calculation (PIA17601)jpl.nasa.gov/images/pia17601-radiation-exposure-comparisons-with-mars-trip-calculation/

Titelbild: NASA/JPL-Caltech/ASU, Public domain, via Wikimedia Commons