Synthetisches Fleisch
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David Volbracht  

Laborfleisch: Kosten, Markt & Zulassung

Fleisch ohne Tierleid. Steaks ohne Schlachthaus. Eine Industrie, die den Planeten retten will. Laborfleisch – kultiviertes Fleisch aus Zellkulturen – hat sich von einer wissenschaftlichen Kuriosität zur milliardenschweren Zukunftsbranche entwickelt. Während Singapur, die USA und Israel bereits Produkte verkaufen, wartet Deutschland auf grünes Licht aus Brüssel. Die Kosten? Von astronomisch auf beinahe konkurrenzfähig gesunken. Doch zwischen Euphorie und Ernüchterung liegen nur wenige Monate.

Von 250.000 Euro auf sieben Euro pro Kilo

Die Kostenkurve des Laborfleischs erzählt eine Geschichte rasanter Innovation. Als Mark Post 2013 den ersten kultivierten Burger präsentierte, kostete das Patty 250.000 Euro – finanziert von Google-Mitgründer Sergey Brin.

Heute melden führende Unternehmen Produktionskosten von 10 bis 15 Dollar pro Kilogramm. Der französische Hersteller Gourmey behauptet sogar, kultivierte Entenleber für nur sieben Euro pro Kilo produzieren zu können, bestätigt durch externe Wirtschaftsanalysen.

Die entscheidenden Durchbrüche: serumfreie Nährmedien unter einem Dollar pro Liter und Bioreaktoren, die zehnmal höhere Zelldichten erreichen als noch vor drei Jahren. Preisparität mit konventionellem Biofleisch bis 2030 erreichbar. Doch ein Schatten liegt über der Branche.

Laborfleisch Infografik

Believer Meats schließt größte Fabrik der Welt

Im Dezember 2025 schockte eine Nachricht die Industrie: Believer Meats stellte den Betrieb ein – trotz 390 Millionen Dollar Investitionen und der weltweit größten Produktionsstätte in North Carolina mit 12.000 Tonnen Jahreskapazität.

Die israelisch-amerikanische Firma hatte gerade FDA- und USDA-Zulassungen erhalten. Ein Bauunternehmen klagt nun auf 34 Millionen Dollar. Das Scheitern zeigt die brutale Realität: Die Investitionen brachen von knapp einer Milliarde Dollar (2021) auf 139 Millionen (2024) ein.

Selbst technologische Brillanz schützt nicht vor Kapitalengpässen. Für deutsche Startups könnte dies jedoch auch Chancen bedeuten.

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Deutsche Pioniere kämpfen um Europas Zukunft

Während Laborfleisch in Asien und Amerika bereits in Restaurants landet, arbeiten deutsche Unternehmen an der europäischen Zulassung. Bluu Seafood betreibt in Hamburg Europas erste Pilotanlage für kultivierten Fisch. Innocent Meat aus Rostock entwickelt automatisierte „Farm in a Box“-Systeme für traditionelle Fleischproduzenten.

The Cultivated B reichte als erstes deutsches Unternehmen einen EU-Zulassungsantrag ein – für einen Hybrid-Hotdog mit kultiviertem Schweinefleisch. Drei Anträge liegen der Europäischen Lebensmittelbehörde vor. Frühestens 2026 dürfte die erste Zulassung kommen. Die Bundesregierung fördert Einzelprojekte, doch eine strategische Priorisierung wie in den Niederlanden mit 60 Millionen Euro fehlt.

Fast die Hälfte der Deutschen würde probieren

Die Verbraucherakzeptanz könnte das entscheidende Puzzlestück sein. 47 Prozent der Deutschen würden Laborfleisch probieren, 65 Prozent befürworten eine Zulassung nach Sicherheitsprüfung.

Bei unter 25-Jährigen liegt die Bereitschaft sogar bei 82 Prozent. Marktforscher prognostizieren für den globalen Markt zwischen 4,2 und 36,6 Milliarden Dollar bis 2035 – die enorme Spanne spiegelt die Unsicherheit über Skalierung und Regulierung wider.

Für Deutschland allein schätzen Analysten das Potenzial auf bis zu 17 Milliarden Euro im Jahr 2050. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wann Laborfleisch im Supermarktregal landet.

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Fazit

Laborfleisch steht an einem Wendepunkt: technologisch reif, preislich fast konkurrenzfähig, gesellschaftlich akzeptiert – aber finanziell fragil. Die Schließung von Believer Meats zeigt, wie schnell Visionen scheitern können. Gleichzeitig rückt die EU-Zulassung näher. Für deutsche Verbraucher heißt das: Geduld. Bis 2027 könnten erste Produkte erscheinen. Die Revolution kommt – nur langsamer als erhofft.

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