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Kurz gesagt: Der Neutrino Power Cube verspricht 5 bis 6 Kilowatt Strom rund um die Uhr, ohne Sonne, ohne Brennstoff und ohne Netz. Ein Gerät von der Größe eines Rollkoffers, das ein Einfamilienhaus versorgen könnte, wäre eine Energierevolution. Der Haken steht beim Hersteller selbst auf der Produktseite: Die Werte sind Designziele, das Gerät befindet sich in der Prototypenentwicklung, eine unabhängige Prüfung steht aus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Versprechen: 5 bis 6 kW Dauerleistung, 220 und 380 Volt, rund 50 Kilogramm, keine beweglichen Teile, null Emissionen.
  • Die Technik: 12 Schichten aus dotiertem Graphen und Silizium sollen Neutrinos, Myonen, Strahlung und Wärmeschwankungen in Strom umwandeln.
  • Der Status: Prototyp, interne Tests, unabhängige Verifizierung ausstehend, laut Hersteller selbst.
  • Kaufen: Derzeit nicht möglich, einen offiziellen Preis gibt es nicht.
  • Die Physik: Neutrinos wechselwirken extrem selten mit Materie. Das ist der Kern der wissenschaftlichen Skepsis.
5-6 kW
versprochene Dauerleistung pro Gerät
≈ 50 kg
Gewicht laut Herstellerangabe
12
Wandlerschichten aus Graphen und Silizium
offen
unabhängige Verifizierung der Leistung

Was ist der Neutrino Power Cube?

Der Neutrino Power Cube ist ein Stromgenerator, den die Neutrino Energy Group um Geschäftsführer Holger Thorsten Schubart entwickelt. Er soll Energie aus Teilchen und Strahlung gewinnen, die ständig aus dem All und der Umgebung auf jeden Ort der Erde treffen, auch nachts, bei Regen und im Keller. Das Unternehmen nennt diese Technik Neutrinovoltaik, angelehnt an die Photovoltaik, die Sonnenlicht in Strom verwandelt.

Die Vision dahinter ist groß. Der Cube soll Häuser ohne Netzanschluss versorgen, Notstrom in Katastrophengebieten liefern, Regionen ohne Infrastruktur erschließen und Sensoren dauerhaft betreiben. Weil das Gerät modular ist, rechnet der Hersteller hoch: Rund 200.000 Power Cubes kämen zusammen auf etwa 1.000 Megawatt, das entspricht einem mittelgroßen Kernkraftwerk.

Die technischen Daten im Überblick

Alle folgenden Werte stammen von der offiziellen Produktseite. Der Hersteller kennzeichnet sie ausdrücklich als Designziele, deren unabhängige Überprüfung noch aussteht.

MerkmalHerstellerangabe
Nettoleistung5 bis 6 kW kontinuierlich
Spannungen220 V und 380 V Wechselstrom, zusätzlich Gleichstrom
Maße800 × 400 × 600 mm, zweiteiliges Gehäuse
Gewichtetwa 50 kg
Brennstoff und Netzkeiner, netzunabhängiger Betrieb
Betrieb24 Stunden, 7 Tage, unabhängig von Wetter und Sonne
Wartungminimal, keine beweglichen Teile
EntwicklungsstandPrototyp, interne Tests, unabhängige Verifizierung ausstehend

Ein kleinerer Ableger ist der Neutrino Life Cube. Er soll 1 bis 1,5 Kilowatt liefern, mit einer Klimatisierung kombiniert sein und aus der Luft bis zu 25 Liter Trinkwasser am Tag gewinnen, gedacht für Katastrophengebiete und abgelegene Orte.

Wie soll der Power Cube funktionieren?

Im Inneren sitzt laut Hersteller ein Wandler aus 12 abwechselnden Schichten aus dotiertem Graphen und Silizium. Treffen Neutrinos, kosmische Myonen, elektromagnetische Strahlung und thermische Schwankungen auf dieses Material, sollen sie es in winzige Schwingungen versetzen. Durch eine gezielt ungleichmäßige, also asymmetrische Gleichrichtung soll daraus eine Spannung entstehen, die sich über die Schichten aufaddiert.

Das Gehäuse ist zweigeteilt. In einem Fach sitzen die Stromerzeugungsmodule, im anderen Wechselrichter und Steuerung, die den Gleichstrom für Haushalt und Gewerbe aufbereiten. Eine einzelne Erzeugungsplatte von 200 × 300 Millimetern liefert laut Herstellerseite bei 20 Grad etwa 1,5 Volt und 2 Ampere.

Wichtig ist ein Detail, das oft untergeht: Trotz des Namens setzt das Unternehmen nicht allein auf Neutrinos. Es beschreibt den Cube als System mit mehreren Eingangsquellen. Neutrinos sind nur eine davon.

Englisches Video über den Power Cube (YouTube). Die gezeigten Leistungsangaben sind Herstellerangaben und nicht unabhängig geprüft.

Was sind Neutrinos überhaupt?

Neutrinos sind elektrisch neutrale Elementarteilchen mit einer extrem kleinen Masse. Die meisten, die uns erreichen, stammen aus der Kernfusion im Inneren der Sonne. Laut dem US-Forschungszentrum Fermilab durchqueren jede Sekunde Billionen davon unseren Körper, ohne eine Spur zu hinterlassen. Physiker nennen sie deshalb Geisterteilchen.

Dass Neutrinos überhaupt eine Masse haben, ist eine vergleichsweise junge Erkenntnis. Für den Nachweis, dass sie zwischen verschiedenen Arten hin und her wechseln und damit eine Masse besitzen, erhielten Takaaki Kajita und Arthur B. McDonald 2015 den Nobelpreis für Physik. Die Neutrino Energy Group beruft sich auf diese Entdeckung. Der Nobelpreis bestätigt allerdings die Masse der Teilchen, nicht, dass sich aus ihnen technisch Strom gewinnen lässt.

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Was Physiker zur Neutrinovoltaik sagen

Die zentrale Frage ist nicht, ob Neutrinos Energie tragen. Das tun sie. Die Frage ist, wie viel davon in einem Gerät hängen bleibt. Und genau hier liegt das Problem: Neutrinos wechselwirken nur äußerst selten mit Materie. Darum braucht die Forschung riesige Detektoren tief unter der Erde, um überhaupt einzelne Treffer zu registrieren.

Der Neutrinophysiker Christian Spiering hat das im Portal Welt der Physik eingeordnet. Selbst wenn man berücksichtigt, dass nachts kein Sonnenlicht ankommt und die Atmosphäre einen Teil schluckt, erreicht im Mittel etwa fünfmal mehr Energie die Erdoberfläche als Licht denn als Neutrinos. Der entscheidende Unterschied: Licht wird von einer Solarzelle zu einem guten Teil aufgenommen, Neutrinos fliegen fast vollständig hindurch.

Die Neutrino Energy Group kennt diesen Einwand und entgegnet, es gehe nicht um das einzelne Teilchen, sondern um die Summe vieler winziger Impulse in einem optimierten Materialvolumen, ergänzt um weitere Quellen wie Myonen und Umgebungsstrahlung. Bei den thermischen Schwankungen kommt ein weiterer Grundsatz ins Spiel: Aus Wärme, die überall gleich verteilt ist, lässt sich nach dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik keine dauerhafte Arbeit gewinnen. Ob die Summe aller Quellen am Ende für mehrere Kilowatt reicht, kann nur eine unabhängige Messung klären. Genau die fehlt bisher.

Eine einfache Rechnung mit den Herstellerangaben

Mit den eigenen Zahlen des Herstellers lässt sich eine Plausibilitätsprüfung machen. Eine Platte liefert 1,5 Volt mal 2 Ampere, also rund 3 Watt. Für 5.000 Watt bräuchte man damit etwa 1.700 solcher Platten. Jede ist 200 × 300 Millimeter groß, zusammen ergibt das rund 100 Quadratmeter Wandlerfläche, die in ein Gehäuse von nicht ganz 0,2 Kubikmetern und ein Gesamtgewicht von etwa 50 Kilogramm passen müssten, inklusive Wechselrichter.

Unmöglich ist das rein räumlich nicht, wenn die Platten sehr dünn gestapelt sind. Es zeigt aber, wie ambitioniert das Versprechen ist: Ein Dach mit 100 Quadratmetern Solarmodulen liefert bei voller Sonne zwar mehr Spitzenleistung, aber eben nicht nachts. Ein Würfel, der dieselbe Fläche ohne Licht dauerhaft nutzen könnte, wäre ein Durchbruch, der die Energiewende komplett verändern würde. Wie sich die Stromkosten ohne einen solchen Durchbruch entwickeln dürften, zeigt unsere Strompreise Prognose 2030.

Kann man den Neutrino Power Cube kaufen?

Nein, derzeit nicht. Die Neutrino Energy Group führt den Power Cube auf ihrer eigenen Produktseite als Prototyp mit internen Tests und ausstehender unabhängiger Verifizierung. Einen Shop, Vorbestellungen oder einen Liefertermin gibt es dort nicht. Bereits Ende 2023 hatte das Unternehmen laut dem russischen Wirtschaftssender BFM eine Serienproduktion für das Folgejahr angekündigt, zuerst in der Schweiz und dann in Südkorea. Umgesetzt ist das bis heute nicht. Wer Angebote zum Kauf sieht, sollte sehr vorsichtig sein.

Was kostet der Neutrino Power Cube?

Einen offiziellen Preis gibt es nicht. Die Produktseite des Herstellers nennt weder einen Endkundenpreis noch Kosten pro Kilowattstunde. Preisangaben, die in Foren oder sozialen Netzwerken kursieren, sind nicht vom Hersteller bestätigt. Solange das Gerät nicht unabhängig geprüft und in Serie gefertigt wird, lässt sich auch keine seriöse Wirtschaftlichkeitsrechnung im Vergleich zu Photovoltaik und Batteriespeicher aufstellen.

Gibt es einen Test oder Feldtest?

Ein unabhängiger Test durch ein anerkanntes Prüfinstitut ist nicht öffentlich bekannt. Der Hersteller spricht selbst von internen Tests und zeigt Videos des Prototyps. Für den Nachweis einer neuen Energiequelle genügt das nicht. Nötig wäre ein Dauertest unter Aufsicht unabhängiger Fachleute, bei dem ausgeschlossen ist, dass versteckte Batterien oder externe Quellen den Strom liefern.

Ist der Neutrino Power Cube echt?

Als Konzept, Unternehmen und Prototyp existiert der Power Cube. Die entscheidende Leistung von 5 bis 6 Kilowatt ist aber nicht unabhängig nachgewiesen, der Hersteller nennt sie selbst Designziele. Ehrlich beantworten lässt sich die Frage deshalb so: Das Gerät ist real, die versprochene Energiemenge ist bisher eine Behauptung, keine bestätigte Tatsache.

Fazit

Der Neutrino Power Cube ist eine der faszinierendsten Energie-Ideen unserer Zeit: Strom aus dem unsichtbaren Teilchenstrom, der uns ununterbrochen durchdringt, Tag und Nacht, überall auf der Welt. Würde er halten, was er verspricht, wären Stromnetze, Kraftwerke und Brennstoffimporte in ihrer heutigen Form überflüssig. Das stärkste Gegenargument kommt aus der Physik selbst: Neutrinos geben ihre Energie an Materie kaum ab, und ohne unabhängige Messung bleibt jede Leistungsangabe ein Versprechen. Für Anleger, Hausbesitzer und Neugierige heißt das: spannend beobachten, aber erst an den Durchbruch glauben, wenn ein unabhängiges Prüfinstitut ihn bestätigt.

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Häufige Fragen

Kann man den Neutrino Power Cube kaufen?

Nein. Der Hersteller führt den Power Cube selbst als Prototyp in der Entwicklung, mit internen Tests und ausstehender unabhängiger Verifizierung. Einen offiziellen Shop oder Liefertermin gibt es auf der Herstellerseite nicht.

Was kostet der Neutrino Power Cube?

Einen offiziellen Preis nennt die Neutrino Energy Group auf ihrer Produktseite nicht. Preisangaben, die im Netz kursieren, sind nicht vom Hersteller bestätigt.

Was ist Neutrinovoltaik?

Neutrinovoltaik ist der Name, den die Neutrino Energy Group ihrer Technik gibt. Schichten aus dotiertem Graphen und Silizium sollen Neutrinos, kosmische Myonen, elektromagnetische Strahlung und Wärmeschwankungen in Gleichstrom umwandeln. Unabhängig bestätigt ist das bisher nicht.

Ist der Neutrino Power Cube echt?

Als Konzept und Prototyp existiert er, die versprochene Leistung von 5 bis 6 Kilowatt ist aber nicht unabhängig nachgewiesen. Der Hersteller bezeichnet seine Angaben selbst als Designziele.

D. Volbracht, Gründer von 9b.de
Autor

D. Volbracht

Gründer & Chefredakteur 9b.de

D. Volbracht ist Gründer des Zukunftsmagazins 9b.de. Er wertet Daten und Statistiken aus und entwickelt mithilfe einer Vielzahl von KI-Werkzeugen interaktive Rechner und Tools zu Zukunftsthemen wie Finanzen, Energie, KI und persönlicher Entwicklung.

Quellen
  1. Neutrino Energy Group – Neutrino Power Cube (Produktseite)neutrino-energy.com/de/technology/power-cube/
  2. Welt der Physik – „Neutrinos sind einzigartige Boten“, Interview mit Christian Spieringweltderphysik.de/gebiet/teilchen/bausteine/neutrinos/neutrinos-sind-einzigartige-boten/
  3. Fermilab – Neutrinosfnal.gov/pub/inquiring/physics/neutrino/index.html
  4. Nobelpreis-Komitee – The Nobel Prize in Physics 2015nobelprize.org/prizes/physics/2015/summary/
  5. BFM – Bericht zur Neutrino Energy Group und angekündigter Serienproduktion (Dezember 2023)bfm.ru/news/541199